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Archiv für die Kategorie ‘Möglichkeitssinn’

Chicken Game?

8. Juni 2010

Noch einer dieser schwülheißen Tage, die den großen Regen versprechen. Das brache Feld gemäht, die beiden Hügel abgetragen. Weit da hinten am Rand des Feldes formen ihre Erdmassen einen Wall, den hier, im tiefen Süden Frankreichs, niemand Maginot-Linie nennen würde.

Die hat nicht gehalten, was man von ihr erwartete. Mehr…

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Zahlen, Daten, Fakten

9. März 2010

Manchmal reicht es, als Quelle für politische Inspirationen (um vom Reden zu schweigen), ein paar Zahlen, Daten und Fakten wirken zu lassen. Der Economist weist darauf hin, in welchen Größenordnungen China in eine grüne Infrastruktur investiert.

Wenn man das in Kontrast setzt zum Ubahnbau in Köln (oder der Berliner Kanzleramtslinie), befällt einen das Grausen. Seinsvergessen? Ach was. Hundert Nummern kleiner, bitte. Hinterm Mond.

Politisch beschwört man, stärker aus der Krise herauskommen zu wollen, als man hineingeraten ist. Warum bloß kommt mir bei diesem Zitat Werner Herzogs Filmtitel in Erinnerung: Auch Zwerge haben klein angefangen …

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Möglichkeitssinn

7. März 2010

Thomas L. Friedman, die Spürnase der New York Times Kolumnisten, wirkt manchmal wie ein etwas überdrehter Marketing-Guru. Zuletzt konnte man ihn in Berlin bei einem Vortrag in der American Academy erleben. Für die deutsche Academia bietet er zu viel Powerpoint, zu viel Anekdotik, zu viel Effekthascherei. Das mag auch daran liegen, dass hierzulande Langeweile als Verkörperung der Seriosität gilt. Ein bisschen mehr Beweglichkeit, etwas mehr Spekulation, auch etwas mehr Aufmerksamkeit dafür, was anderswo an noch unscheinbaren Sachen passiert, könnte sich lohnen. Ein Beitrag für ein neues Kapitel in diesem Blog, das ich der Kategorie des Möglichkeitssinns zurechne.

Etwa wenn man daran denkt, was für aberwitzig teure Pilot- und Forschungsprojekte daran kauen, wie die Abscheidung von Kohlendioxid in Kohlekraftwerken aussehen könnte. Mit dem Beispiel, das Friedman in seiner heutigen NYT-Kolumne vorstellt, sehe ich die deutsche Zementindustrie zu neuen Ufern aufbrechen. Das Prinzip kann jeder auf einem längere Zeit nicht gereinigten Duschkopf beobachten. Oder 1 und 1 zusammenzählen. Kohlendioxid reagiert mit Salzwasser zu Kalziumkarbonat. Statt das Treibhausgas mit unkalkulierbaren Langzeitfolgen in irgendwelchen Höhlen zu speichern oder in Seen zu pumpen, kann es zu Baustoff oder Grundstoffen der Zementindustrie verarbeitet werden – und damit manche Steinbruch- und Zementwerk-Mondlandschaften in Naturidyllen zurückverwandeln, weil der Rohstoff, den man dort bisher abbaut bzw. produziert, künftig in Kohlekraftwerken entsteht.

Der Erfinder dieser Idee, Vinod Khosla, war ein Mitgründer von Sun, und die Firma, die ein heißer Tip für Venture Capital wird, heißt Calera. Die Logik, die Sun groß gemacht hat, steckt auch hinter dieser Rekombination von Faktoren der Rohstoffindustrie nebst solidem naturwissenschaftlichen Basiswissen: ein gut entwickelter Spürsinn für das Heben von Kooperationspotenzialen.

Das andere Beispiel, das Friedman erwähnt, ist die Idee von K.R. Sridhar, noch so ein Inder, den man auch in Deutschland gut gebrauchen könnte, hätte es hier nicht so alberne Kampagnen gegeben … Sridhar ist ein Ingenieur, der neue Brennstoffzellen und ihre Basistechnologie entwickelt. CBS berichtete in der letzten Woche über ihn. Google, Wal-Mart, eBay,  FedEx, Coca-Cola nutzen seine Brennstoffzellen.

Am Ende seiner Kolumne röhrt Friedman wieder in großer Form,  zu viele Amerikaner hätten aufgehört zu träumen, ihr Draht zum amerikanischen Traum sei abgerissen. Um es mit Peter Sloterdijk zu sagen: Für diese beiden Inder ist der American Dream weiter auf Sendung. Und sie haben geliefert.

Ein gutes Beispiel für die Verwandlungs- und Bewegungskraft eines gut entwickelten Möglichkeitssinns.

 

 

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