Weitsichtige Bildungspolitik
Der Democracy in America Blog des Economist führte kürzlich ein interessantes Interview mit Wendy Knopp, der Gründerin von "Teach For America". Es gibt viele Unterschiede zwischen den Bildungssystemen der Bundesrepublik und der USA. Es gibt viele Stellschrauben im deutschen föderalen System, die alle einen Unterschied ausmachen, ohne aber ein grundlegendes Dilemma anzupacken: die wachsende Unzufriedenheit der Bürger mit dem bestehenden Bildungssystem.
Erkennbar geht es nicht um die Frage, wer Geld in die Hand nimmt oder wer es ausgeben darf. Es geht um inspirierende Lehrer und lernbereite Schüler. Es geht um Eltern, die sich dafür einsetzen, dass ihre Kinder lernen. Teach For America macht es möglich, dass die besten Absolventen der amerikanischen Unis in die sozial benachteiligsten Schulen und Nachbarschaften gehen. Sie sind die Träger und Promotoren der amerikanischen Bildungsreform.
Frau Knopp berichtet in dem Interview über die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie über erfolgreiche Lehrer. Erfolgreiche Lehrer blicken über den Tellerrand ihres Curriculums. Sie sind im besten Sinn des Wortes inspirierende Leader, die ihre Schüler zum Lernen motivieren. Sie sind ausdauernd. Sie können mobilisieren. Sie können motivieren. Und diese Talente entfalten sie in den am meisten benachteiligten Kommunen. Das wäre ein Modell nicht nur für Herrn Buschkowsky in Berlin-Neukölln.
Die Teach For America Alumni sind die Erfinder neuer vorbildlicher Bildungsreformprojekte. 7000 junge Lehrerinnen und Lehrer jährlich. Alle deutlich unter 30 Jahre alt
Wer mich danach fragt, was "the next big thing" in Amerika sein wird, dann würde ich sagen, dass es die amerikanische Bildungspolitik bis zum Jahr 2017 sein wird. Gerade erst hat die Obama-Regierung das No Child Left Behind Projekt novelliert und einen bundesweiten Wettbewerb um die erfolgreichsten Schulen des Landes begonnen. Die Teilnahmebedingungen sind hart. Aber hart ist auch der Ehrgeiz der Leute an der Basis, die es im Zweifelsfall den Politikern ihres Heimatstaats sehr übel nehmen, wenn sie nicht mitziehen.
Im Kontrast dazu wirkt die aktuelle deutsche Bildungspolitik wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Da gibt es eine Bundesbildungsministerin, die sich in Nebensatzkaskaden ungreifbar einspinnt. Da gibt es die desaströse Bildungspolitik der Bundesländer, die es sich als Erfolg zurechnen, dass die Bürger auf die Barrikaden gehen. Da gibt es populistische Bürgerinitiativen, die bildungspolitische Distinktionsgewinne erzielen wollen, indem sie konsequent nach unten treten und gleiche Bildungschancen für alle faktisch bekämpfen.
Was für ein Desaster.

