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Archiv für die Kategorie ‘Angela Merkels Rhetorik’

Angela Merkels Erinnerungen an die Zukunft

23. August 2010

Auf Murmeltiere ansitzen. Nach Gemsen spähen. Abends mit Joachim Sauer Herrn Putin nachäffen. Dann zurück zur Sommerlektüre: der Stalin-Biographie. Das müssen unterhaltsame Tage im Gebirg gewesen sein. Die Seele vom Machthaben baumeln und die Fassaden Fassaden sein lassen.

Zurückgekehrt aus dem Gebirg ist kein anderer Mensch, keine andere Kanzlerin, sondern die gleiche, die sie immer schon war. Mehr…

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Der Begriff des Politischen

12. Juli 2010

Die Druckausgabe des Spiegels zitiert heute die Bundeskanzlerin mit den Worten:

„Am Abend weiß man manchmal bei uns nicht mehr, wer Freund und Feind ist.“

Nun könnte die Zeitangabe dieses Zitats den einen oder anderen Jünger am rechten Geistgeizrand dieser Republik zu höhnischem Zähnefletschen einladen. Das allerdings bezeugte bloß Beschränktheit.

Steckt hinter der Aussage die neue große Indifferenz? Spricht aus ihr die Sehnsucht nach klaren Unterscheidungen? Oder gibt sie – wie so oft bei Frau Merkel – ein bemänteltes Bild von der Lage, wie sie ist? Schützengräben allerorten, Kampf aller gegen alle, fahrt dahin, selige Gewissheiten?

Die Aussage ist so verkappt wie vertrackt. Im Tageslicht, oder wie sie kürzlich sagte "In der Früh", scheint ihr die Unterscheidung nicht schwer zu fallen. Aufgeräumte Unterscheiderin, die sie ist.

Was ist abends anders? Welcher Pegel verwischt die Konturen der Lager? In Afghanistan sei kürzlich zum ersten Mal eine Panzerhaubitze (Reichweite 40 km, Treffsicherheit +/- 20-40 Meter) eingesetzt worden. Eine Distanzwaffe der alten Schule.

Welche Distanzwaffen halten Freund und Feind in der Nähe auseinander? Diese Frage wird den neuen Sprecher um den Schlaf bringen.

Nachtrag: Welchen Feind hätten´S denn gern, Frau Kanzlerin?

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Mutismus als Machterhalt ?

19. Juni 2010

Es ist nicht so, dass der Mutismus Frau Merkels neu wäre. Dieses Blog hat schon immer Merkels Schweigen als ihre besondere Art des Redens und des Machterhalts gewürdigt. Ich darf mich selbst zitieren: "Im Falle der Bundeskanzlerin gilt für das Protokoll des Deutschen Bundestags auch das ungesprochene Wort." Mehr…

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“Der Zukunft zugewandt”

11. Juni 2010

Warum sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel über den von ihr nominierten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten:

"Er steht für eine der Zukunft zugewandte Gesellschaftspolitik"?

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Haushälter-Phrasen

7. Juni 2010

Die letzte lautmalerisch plausible haushaltspolitische Phrase hieß in Berlin "Sparen, bis es quietscht". Das ist ein paar Jahre her.

Was die Agenturen über die Sparklausur der Bundesregierung mitteilen, bietet den vermufften Plunder aus der Spätblütezeit meiner Großonkel. Erstaunlich viele von ihnen hießen Herrmann oder Heinrich, zogen den Hosenbund bis knapp unter den  Adamsapfel, rauchten dicke Zigarren und achteten ihre Pilstulpen mehr als ihre Ehefrauen. Irgendwie war man einander abhanden gekommen.

Überhaupt scheinen die lieben Großonkel (und ihre Zeit der späten fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts) bei dieser Bundesregierung zu posthumen Patenschaften zu gelangen. Als Angela Merkel im Wahlkampf den "Rheingold-Express" bestieg, befielen mich düstere Vorahnungen. "Alles was ist, endet", warnt Erda Wotan.

"Wichtige Weichen stellen", "Kehrtwende schaffen", "Kurs ändern", "über seine eigenen Verhältnisse leben", "wirkliche Kehrtwende", "Freibier für alle macht beliebt, aber dann fährt der Karren vor die Wand". "Wir müssen einen Kurs fahren, bei dem klar wird, wir geben nur das aus, was wir eingenommen haben".

Die Halbgötter repetieren die Großonkelsprüche wie einen faulen Zauber gegen das flaue Gefühl. Wo führt die Reise hin, die mit solchen Signalen eingeläutet wird? Es fährt ihr Zug nach Nirgendwo. Sie haben nicht einmal mehr ihre Phrasen abstimmen können.

Dr. Guido Westerwelle gibt den neuen Schützenkönig. (Gibt es in der Promotionsordnung seiner Uni eine Bestimmung, die den Rückfall hinter einen erreichten Kenntnisstand mit Titelverlust ahndet? Wäre zu bedenken!)

Die gedankliche Armut der Vorstellung erzürnt. Sie dokumentiert, dass diese Bundesregierung nicht mehr lange Bestand haben wird: Sie ignoriert die "terms of trade" der deutschen Exportwirtschaft. Sie ignoriert die Interessen aller Wirtschaftspartner. Sie vertieft  die politische Isolation Deutschlands.

Guido Westerwelle liebt es, Bilder aufzutürmen (Freibier/Karren) Sein aus gekränktem Narzissmus geschöpftes Schützenkönigzitat blendet die logische Fortsetzung des Bildes aus: Denn einer muss die Zeche zahlen. Westerwelle hat seine Metaphernrechnung gegen den Wirt aufgemacht.

Der wird es ihm heimzahlen. 

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