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Archiv für die Kategorie ‘Politische Rhetorik’

Vorgänger

3. September 2010

Das tiefe Schweigen hat ein Ende.

Die Debatte um Einwanderung und Integration wird schrill. Nach der großen Rezession schießt die Wachstumskurve steil in die Höhe. Ein Rückfall ist nicht ausgeschlossen. Die Finanzierung der sozialen Sicherheit scheint prekär – nach beispielloser Sozialisierung privater Verluste. Die parteipolitischen Lager erodieren. Neue Formationen zeichnen sich ab.

Die Globalisierung, bisher für so zwingend und unaufhaltsam gehalten wie der Lauf von Ochs und Esel, erfährt Dämpfer. Der politische Liberalismus steht vor einer programmatischen Wende, um nicht zu sagen Spaltung.

Um sich selbst zu retten, bereitet das eiserne Kanzleramt eine fundamentale politische Wende vor. Immer größere Teile der bisherigen Mittelschichten erleben oder befürchten den Abstieg und die Prekarisierung ihrer Lebensverhältnisse.

In diese Zeit platzt eine Publikation, die dafür plädiert, der staatlichen Einheit vermehrte Anstrengungen der inneren Einheit folgen zu lassen. Der inneren Einheit steht manches im Wege. Gutmenschen zum Beispiel, sogenannte Philanthropen, sowie eine massive Einwanderung nicht integrationswilliger Menschen – mehr oder weniger Deutsch redende Orientalen, die auf ihren traditionellen Unterschieden beharren.

Es sei höchste Zeit für einen Tabubruch. Der Instinkt der Massen habe eine schwere Gefahr für das neue deutsche Leben richtig erkannt.

Die Rede ist nicht von Thilo Sarrazin und der von ihm herbeigefürchteten Abschaffung Deutschlands. Die Rede ist vom Berliner Antisemitismusstreit des Jahres 1879 und der folgenden Jahre. Der Autor der Streitschrift war der Historiker Heinrich von Treitschke.

Sarrazins Kopftuchmädchen hießen bei Treitschke "strebsame hosenverkaufende Jünglinge".

Ich frage mich, warum so kluge Zeitgenossen wie Andrian Kreye in der Süddeutschen zu Michael Moore oder wie Jörg Wittkewitz zu Elias Canetti in die Ferne schweifen, wenn das Argumentationsmuster – oder sollte ich sagen: die historische Konstellation? – so frappierende Ähnlichkeiten in der deutschen Geschichte aufweist.

Die große Mär des unaufhaltsamen Fortschritts und der Aufklärung bewahren nicht vor dem Rückfall in die Barbarei. Der Firnis der Zivilisation wird dünner.

The Times They Are A-Changin´

Die Diskussion geht hier weiter.

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Fundsachen

14. Juli 2010

Der Sommer versetzt den Blogger ins Brüten. Heraus kommt das eine und das andere. Auf dem Weg dahin hier einige Hinweise auf Lesefrüchte, die sich als nützlich erweisen könnten.

Bilbo analysiert in seinem Blog eine Goldman Sachs-Studie: Why is the Economy so weak? What can policy do?

But the bottom line of the paper is that the US is likely to have to endure on-going and massive employment gaps (below potential) for years because the US government is failing to exercise leadership. The paper recognises the need for an expansion of fiscal policy of at least 3 per cent of GDP but concludes that the ill-informed US public (about deficits) are allowing the deficit terrorists to bully the politicians into cutting the deficit. The costs of this folly will be enormous.

In die gleiche Richtung zielt eine kürzlich veröffentlichte Studie des American Enterprise Institutes. Mehr…

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Der Begriff des Politischen

12. Juli 2010

Die Druckausgabe des Spiegels zitiert heute die Bundeskanzlerin mit den Worten:

„Am Abend weiß man manchmal bei uns nicht mehr, wer Freund und Feind ist.“

Nun könnte die Zeitangabe dieses Zitats den einen oder anderen Jünger am rechten Geistgeizrand dieser Republik zu höhnischem Zähnefletschen einladen. Das allerdings bezeugte bloß Beschränktheit.

Steckt hinter der Aussage die neue große Indifferenz? Spricht aus ihr die Sehnsucht nach klaren Unterscheidungen? Oder gibt sie – wie so oft bei Frau Merkel – ein bemänteltes Bild von der Lage, wie sie ist? Schützengräben allerorten, Kampf aller gegen alle, fahrt dahin, selige Gewissheiten?

Die Aussage ist so verkappt wie vertrackt. Im Tageslicht, oder wie sie kürzlich sagte "In der Früh", scheint ihr die Unterscheidung nicht schwer zu fallen. Aufgeräumte Unterscheiderin, die sie ist.

Was ist abends anders? Welcher Pegel verwischt die Konturen der Lager? In Afghanistan sei kürzlich zum ersten Mal eine Panzerhaubitze (Reichweite 40 km, Treffsicherheit +/- 20-40 Meter) eingesetzt worden. Eine Distanzwaffe der alten Schule.

Welche Distanzwaffen halten Freund und Feind in der Nähe auseinander? Diese Frage wird den neuen Sprecher um den Schlaf bringen.

Nachtrag: Welchen Feind hätten´S denn gern, Frau Kanzlerin?

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Die Logik des Kreuzverhörs

9. Juli 2010

Dieses Video aus Aspen illustriert den besonderen Nutzen einer Auseinandersetzung mit gegenläufigen Argumenten. Wer sich allein auf seine "eigenen" Argumente verlässt, steht auf tönernen Füßen. David Boies ist einer der prominentesten amerikanischen Anwälte.

In dem Verfahren, über das er berichtet, geht es um eine Verfassungsklage gegen das Heiratsverbot von Schwulen und Lesben in Kalifornien. In dem Verfahren vertritt Boies die Kläger zusammen mit Ted Olson, George W. Bushs Solicitor General, eine erstaunliche Konstellation, wenn man bedenkt, dass Boies Al Gore im Rechtsstreit um den Ausgang der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 vertrat.

Das Video ist eine schöne Illustration, wie sinnvoll es ist, die eigenen Redethemen in der Logik eines Kreuzverhörs zu entwickeln. 

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Persönlichkeit und Politik

8. Juli 2010

Dieses Posting dokumentiert einen Vortrag, den ich in der vergangenen Woche an der Universität Bremen hielt.

Am 4. November 2008 fahre ich von Berlin nach Reinhardtsgrimma. Am nächsten Morgen halte ich dort ein Seminar für Redenschreiber. Ich verbringe die Nacht vor dem Fernseher – bis zur Siegesansprache Barack Obamas.

„Hallo Chicago, gibt es da draußen noch jemanden, der daran zweifelt, dass in Amerika alles möglich ist? Mehr…

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