links vom 16. August 2010

16. August 2010

Im weissgarnix-Blog frage ich das Publikum: "Was wäre für die heutige deutsche Politik die abwegigste Forderung, die von allen Seiten sofort als irre verworfen wird? Und welche heute als realistisch geltende Politik kann vielleicht sogar der sogenannte gesunde Menschenverstand nur noch als irre bezeichnen?"

Vanity Fair bringt eine lange Reportage aus dem Alltag des amerikanischen Präsidenten. So wie Franz-Josef Strauß davon träumte, in Alaska Ananas zu züchten, dachte Obama mit seinem Stabschef Rahm Emanuel daran, auf Haiwaii T-Shirts zu verkaufen.

Die NZZ warnt vor dem Hindenburg-Syndrom: wenn bestimmte Patterns an einem Handelstage der NYSE auftreten, gehts ab in den Keller. Ob da was dran ist, wird sich zeigen.

""This is America, and our commitment to religious freedom must be unshakable. The principle that people of all faiths are welcome in this country, and will not be treated differently by their government, is essential to who we are"

Salon fasst die bisherige Geschichte um den Bau des Islamzentrums in der Nachbarschaft der WTC-Twin Towers zusammen.

Hier ein Überblick der Sonntagsausgabe der New York Times zum gleichen Thema.

"The Pakistani floods are more than just floods. They herald a potential regional catastrophe. Unless the West acts quickly, the situation could rapidly become too difficult to contain."

Ahmed Rashid warnt davor, dass die Flutkatastrophe aus Pakistan endgültig einen scheiternden Staat mit nuklearer Waffenkammer machen könne. Die bisher in Aussicht gestellten 15 Mi. € als deutsche Hilfe erscheinen etwas mickrig.

Louis Nayman erzählt, was community organizer und die Lehrergewerkschaft für Schulen in der Bronx erreichen konnten.

Paul Krugman räumt mit den Mythen auf, dass die Finanzierung der amerikanischen Sozialversicherung nicht gesichert sei. Zum gleichen Thema sprach Barack Obama am Samstag in seiner weekly address, denn die Social Security feiert gerade ihren 75. Geburtstag.

Chicago am Jangtse-Fluss: eine großartige Reportage über die größte Stadt der Welt, die fast kaum einer kennt: die 32-Millionen-Stadt Chongqing, die so schnell wächst, dass Karten, die frisch aus der Druckerei kommen, schon wieder veraltet sind.

Die Druckausgabe des heutigen SPIEGEL bringt ein Porträt des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, das ihm gefährlich werden kann: die Sommerferien haben gerade begonnen, so dass diese Geschichte erst im September hochkochen könnte. Dann wird sie seiner Kontrolle entgleiten.

Steht Detroit, die totgesagte Autostadt, vor einer Renaissance?

Der Economist berichtet über das Dilemma, vor dem die Demokratische Partei steht:

"The Democrats’ best hope, in Mr Cook’s view, lies not in courting the party base but in denigrating the Republicans. That may help to remind disillusioned supporters why they voted Democratic in the first place. It could also give wavering independent voters pause. But the tactic’s chief benefit may lie in dampening the support of Republican cadres for their party.

Indeed, the Democrats’ leaders seem to have adopted this strategy already. They are trying to frame the election as a choice between their reforms, however imperfect, and a return to the failed policies of Mr Bush. Mr Obama is likening the Republican Party to a driver who, having crashed into a ditch, waits for someone else to pull the car out and then asks for the keys back. It’s a far cry from “Yes we can”."

Zum Abschluss ein Video von der diesjährigen Aspen Konferenz, in dem Michelle Rhee ihre Erfahrungen als Lehrerin im TEACH FOR AMERICA Programm schildert. 

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Terror Babies? Die Lunatics feiern Hochsaison

16. August 2010

Die Abschaumblase gewinnt an Fahrt. Ich weigere mich, diese Blase eine Debatte zu nennen. Warum das so ist, zeigt das Video. Parallel zu der verfassungswidrigen Idee Nicolas Sarkozys, delinquenten Franzosen mit Migrationshintergrund die Staatsbürgerschaft abzuerkennen, wollen irre Republikaner den 14. Zusatz der amerikanischen Verfassung abschaffen.

Manchmal reicht es, die Irrren einfach sprechen zu lassen. Ein Beitrag zum Hundstage-Theater.

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Wörter des ökonomischen Schreckens (1): Gesundschrumpfen

14. August 2010

Das unzureichende Ambivalenzempfinden der doktrinären Ökonomie unserer Zeit wirkt so kritikresistent, dass es offenbar nur noch mit einem "heilsamen Schock" beantwortet werden kann: durch Bilder, die hinter den Wörtern des Schreckens lauern.

Mit diesem Posting eröffne ich das "Wörterbuch des ökonomischen Schreckens". Ich fange an mit dem Wort "Gesundschrumpfen".

Das beigefügte Bild stammt aus dem Konzentrationslager Buchenwald.

Diese russischen, polnischen und holländischen Zwangsarbeiter wurden am 16. April 1945 von Pvt. H. Miller in Buchenwald photographiert. Ihr Durchschnittsgewicht betrug an diesem Tag 32 kg.

 

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links vom 13. August 2010

13. August 2010

Dieser Beitrag von mir bei weissgarnix wird seit gestern (überwiegend) verrissen.

Stephan Wackwitz beschreibt eine phänomenologisch dichte Zeitreise – und versucht so aktuelle intellektuelle Moden der akademischen Jugend in New York (oder Berlin oder Bologna) zu beschreiben.

"Why don’t you call some people," he said, "and find out what’s hot in poverty right now."

That’s the Prospect in one sentence. The belief that the correct way to cover the aftermath of Katrina was to look at poverty policy rather than poll numbers. The earnest confidence that social policy could be "hot." I always took that as the magazine’s guiding idea: Substance mattered, and it didn’t have to be dull or hard to understand. When policy was dull or hard to understand, that was the fault of the writer. My fault, to be specific." 

Ezra Klein in Prospect über eine prägende journalistische Erfahrung in seiner Karriere.

""It is impossible to buy a toaster that has a one-in-five chance of bursting into flames and burning down your house," she wrote in a now-famous 2007 journal article proposing such an agency. "But it is possible to refinance an existing home with a mortgage that has the same one-in-five chance of putting the family out on the street."

Brady Dennis porträtiert in der Washington Post die prominenteste Kandidatin für die Leitung der neugeschaffenen Verbraucherschutzbehörde. Elizabeth Warrens Zitat erinnert mich an Heinrich Zilles Bemerkung, man könne einen Menschen mit einer Wohnung erschlagen wie mit einer Axt.

"Eine rechte Partei des selbstbewussten Konservativismus kann natürlich keine Kopfgeburt sein, sondern müsste aus dem „Volk“ hervorgehen. Dennoch haben die Intellektuellen hier eine Schlüsselstellung. Denn das mächtige Tabu über einer politischen Rechten könnte nur durch ein Coming-out der Starintellektuellen gebrochen werden: „Ich bin gar nicht rot- grün. Ich bin konservativ – und das ist gut so!“

Norbert Bolz illustriert mit diesem Zitat die schöne neue Welt einer Politik des Ressentiments, die zur Vollendung ihres Glücks die Organisationsform einer rechten Partei herbeisehnt. Die Figur des nicht konformistischen Konformismus, als die Bolz da kräht, macht mich fassungslos darüber, dass so ein beschränkter Opportunismus der Schule von Jacob Taubes zu verdanken sein könnte.

Zehn Bücher über die Geschichte Europas im 20. Jahrhunderts – eine Empfehlung von Tony Judt

"I started writing this in 2006, and I wanted to set a novel slightly in the future because I feel like the present is happening so fast that we’re only living in the future. There’s no present left. So I decided to set it in the future, but the problem was everything I was writing about started happening. So I started in 2006 and I was envisioning the collapse of GM and Ford. That began to happen. Then I envisioned the collapse of the banks. That began to happen. I have one airline left in America called UnitedContinentalDeltaAmerican, and yesterday that began to happen. As I wrote it, I began to think of worse and worse scenarios because everything I kept imagining was actually right out my window in New York."

Ein wunderbares Interview mit Gary Shteyngart über seinen neuen Roman: "Super Sad True Love Story".

"The images that make up the exhibition’s title consist of a series of thirty-six black and white photographs of people riding the Métro in Paris between 2004 – 2008. In order to capture his subjects “truer to their inner selves,” he explains, he used a digital wristwatch camera—thereby coming a long way from the 16mm silent film camera that he boldly employed in the crowded trains of Tokyo for Sans Soleil in 1983. “Here I caught them innocent like animals, in the beauty of the jungle,”

Über eine Ausstellung zu Chris Marker in New York. Nie werde ich seinen Film SANS SOLEIL vergessen.

Sechs Fragen von Stan Collender zum Haushaltsdefizit, zu Wall Street und zu Washington.

Eine aufschlussreiche Gegenüberstellung von Zahlen: Wieviel Arbeitsplätze hat Amerika verloren, bevor Obama das Konjunkturpaket ARRA durch den Kongress gebracht hat, und wieviel danach: 7,8 Millionen Arbeitsplatzverluste gehen auf George W. Bushs Konto, 670.000 auf Obamas Konto.

Und in dem folgenden Video dekonstruiert Jon Stewart den neuesten Versuch der Republikaner, die USA in den Würgegriff ihrer außer Rand und Band gelangten Hybris zu nehmen: tax cuts. Lachen Sie sich schlapp!

Schönes Wochenende! 

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Deductible Me
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

 

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links vom 12. August 2010

12. August 2010

Das Format übernehme ich nun auch hier und lasse meine Leserinnen und Leser daran partizipieren, was mir in meinem täglichen newsfeed besonders aufgefallen ist.

Neal Ascherson über Hugh Trevor-Roper

Warum die Defizit-Falken die entscheidenden Probleme ausblenden

David Foster Wallace über Leistungssportler

Ein Interview mit dem marokkanischen Autor Abdellah Taia

Warum wir alle Nachrichtendienstler sind (die beamtete Konkurrenz hat das noch nicht begriffen)

Arm, sexy und nun wirtschaftlich erfolgreich. Richard Florida über den turn-around Berlins

Kurt Vonnegut über erzählerische Konstruktionen

Christoph Bieber vertieft seine Reflektionen über die Ethik des Lecks

Wohin geht es in der Netzwelt mit den addictions. Felix Salmon über Paul Graham  im Reuters-Blog

John Ward sieht aufkommenden Sturm: Die skeptische FED und düstere chinesische Konjunkturaussicht

Ein Thema wie gebacken für Konrad Adam: Die Briten denken über eine Akademikersteuer nach

Richard Florida über die Roadmap to speed recovery

Autoabsatz in China bricht ein – Ende der Sonderschichten bei Audi, BMW & CO?

Steve Clemons über amerikanische und israelische Iran-Szenarios

Eugene Goodheart über Wahrnehmungsstörungen bei amerikanischen Linksliberalen (deren finstersten Ideen besonders gerne von deutschen Korrespondenten übernommen werden)

Ezra Klein zum gleichen Thema

"A soldier can do better than dying on the battlefield in pursuit of paradise — he can send his adversary to hell." So leitet der frühere ISI-Chef, der pakistanische General Asad Durani seinen Gastbeitrag ein.

Ein Superknast in Mississippi

As such it is an ingenious telling of just how German emerged from the primordial Germanic soup, and how many other ways it could have been if, say, Luther had been born 100 miles farther north. For all its flaws, this is an enjoyable yet still-scholarly read for the historian, linguist and Germanophile alike

Über die Rolle der Wirtschaftsberater im Weißen Haus

Nils Minkmar rezensiert Ahmed Rashid

Ein Interview mit dem Musikkritiker Greil Marcus über sein Buch When that rough god goes riding: Listening to Van Morrison

Der Guardian glaubt nicht an einen amerikanischen Abzug aus dem Irak

"The Mother of all Bubbles will Pop. Based on history, the Chinese real estate bubble is in search of a pin"

Stephen Colbert macht sich darüber lustig, was für eine umnachtete Debatte ein paar Republikaner über den 14. Verfassungszusatz losgetreten haben. 

The Colbert Report Mon – Thurs 11:30pm / 10:30c
Citizenship Down – Akhil Amar
www.colbertnation.com
Colbert Report Full Episodes 2010 Election Fox News
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